Seite 115 von 386

Verfasst: 22.10.2006 - 0:47
von Mangahn
1. Ich halte die Fahrer, insbesondere Jan, für schuldig.

2. Natürlich griff mein Satz "Es handelt sich bisher nur um unbewiesene Gerüchte. Und DAS ist wirklich indiskutabel" zu kurz.

3. Die Sätze eins und zwei sind nicht wichtig.

Ich habe vergessen, daß andere Menschen andere Erfahrungen haben. Wer als sechszehnjähriger der Mittelpunkt seiner Klasse ist oder noch nie die potentiellen Härten des Geschäftslebens(vorzugsweise) am eigenen Leib erfahren hat, wird sicherlich eine etwas agressivere Haltung einnehmen.

Es handelt sich bei unseren Radprofis um genau das. Um Profis. Es ist ihr Beruf. Basso hatte sich akribisch auf die Tour vorbereitet, es war seine erste große Chance zu gewinnen. Dann wurde er einfach direkt vor dem Start ausgeschlossen, ohne das er eine echte Chance bekam daran etwas zu ändern. Das ist sehr sehr bitter.

Wer wirklich glaubt, jede Kampagne währe gerechtfertigt, mobbing gibt es nicht und nichts geschieht ohne Grund, der muß auch nicht Mitleid empfinden.

Wir sehen, egal von welcher Seite aus betrachtet, eine zensierte Version der Wahrheit. Und ich erlebe Woche für Woche wieder, wie mein Chef die Wahrheit verdreht. Sie nicht sehen will und anderen recht glaubwürdig seine Wahrheit als einzig mögliche angibt.

Natürlich ist das, was Jan da macht, eine Farce. Seine persönliche Glaubwürdigkeit ist extrem niedrig. Aber ein paar Fakten bleiben:
1. Ein Teil der Exikutive des Schweizer Verbandes war vorgeprescht und hatte ihn ohne harte Fakten vorverurteilt.
2. Der Schweizer Verband hat bestätigt, daß er selbstverständlich eine neue Lizenz bekommen würde, wenn er sie beantrag da keine Beweise vorliegen, die das verhindern. (Das sieht seit ein paar Tagen vielleicht anders aus).
3. Der Österreichische Verband hat recht, daß es nicht fair ist, die Arbeitsgrundlagen zu entziehen, ohne dies mit Fakten, also offiziellen und geprüften Dokumenten, zu belegen. Ergo wäre es eine Maßnahme diese Arbeitsgrundlage herzustellen und dann kurzfristig einen Prozess anzustrengen. Da würde Ullrich wohl kaum wieder mit einem Verbandswechsel herauskommen. (Hacken: Wahrscheinlich spielt er nur auf Zeit und es könnte wieder lange dauern an die DNS und ähnliches zu gelangen).

Ich empfinde als mißtrauischer Mensch mit dem Menschen Jan Ulrich und dem Menschen Ivan Basso mit. Ich wünsche mir, nicht (nur) für den Radsport, sondern für diese Menschen und für mich endlich einen Musterprozess. Einen, wie den von Jan, wo die Ankläger (z.B. dieses Forum) behaupten, die Schuld ist zu einhundert prozent geklärt. Einen offenen Prozeß. Und nachher glaubhafte Akteneinsicht der Öffentlichkeit.

Solange das nicht passiert werde ich für Argumente wie die der Österreicher ein offenes Ohr haben. Und Mitleid mit den Menschen, die betroffen sind.

Edit: @Bettini: Ja. Unter bestimmten Umstanden kommt dazu von mir ein klares JA. Hörensagen allein ist nichts wert. Und wenn einer von denen mein FREUND ist, werde ich mit Sicherheit auf die Sagen <g> nicht viel geben. Ich wäre wahrscheinlich mißtrauischer, aber die Antwort kann nur JA lauten.

Verfasst: 22.10.2006 - 8:14
von PepsiLight

Verfasst: 22.10.2006 - 10:04
von BlackHackz
ui...top news! ;)

also ich wollte noch kurz was einwerfen: Die UCI ist sehr wohl offiziell eingeschritten, indem sie die Empfehlung ausgesprochen hat, Dopingverdächtige Fahrer zu suspendieren.
Also die UCI scheint diesen "Gerüchten" zu glauben.
Übrigens: NIcht alles was über die Medien verbreitet wird, sind zwangsläufig Gerüchte! Solange Ulrlich nicht stichfeste Argumente hervorbringt, warum ich ihm, und nicht den Medien glauben soll, tue ich das nicht!

Verfasst: 22.10.2006 - 10:57
von Mangahn
Du hast mich nicht verstanden. Schwarzer, lies es vielleicht noch einmal. Natürlich wäre es auch in Ordnung, wenn Du mich einfach nicht verstehen willst!

Verfasst: 22.10.2006 - 14:16
von BlackHackz
ähhh...um dich ging es gar nicht Mangahn!
mein Beitrag behzog sich auf die Diskussion um Zeitungsberichte, dass diese allgemein Gerüchte sind.
Deinen Text habe ich mir, um ehrlich zu sein, noch nicht durchgelesen, weil ich mich nicht weiter an der Diskussion beteiligen wollte.

Verfasst: 22.10.2006 - 22:56
von Purdy
wenn du ihm erst glauben schenken willst,wenn er seine unschuld bewiesen hat ist das natürlich dein gutes recht;)

zu den medien:NEIN,natürlich ist nicht alles gelogen was sie schreiben.allerdings ist fast alles was sie bisher berichtet haben nur auf Gespräche bzw angebliche Interviews gestützt(die sehr häufig dementiert wurden)was ich meine,ist halt das die bisherigen abgedruckten medienberichte zum großteil nur einer Hätzjagd galt.ohne jeglichen halt wurden sachen abgedruckt die zb auf unbeteiligte "EXPERTEN"wie dieser komisch doktorin zurückgingen,und das obwohl sie gar nix damit zu tun hat/haben!!!

Verfasst: 25.10.2006 - 14:33
von José Miguel
http://www.eurosport.de/radsport/tour-d ... 3141.shtml

Das wäre ein weiterer dicker Faustschlag in das Gesicht des gesunden und fairen Menschenverstandes, wenn Pereiro nicht zum Tour-Sieger ernannt werden sollte. Für mich macht eine solche Entscheidung den Eindruck, dass die ASO Landis sogar glaubt, oder es Pereiro einfach nicht gönnt, warum auch immer. Damit wird traurigerweise abermals deutlich, wie wenig konsequent der Kampf gegen Doping ist.

Verfasst: 26.10.2006 - 15:58
von EintrachtFan
Anscheinend soll Ullrich unschuldig sein.

Quelle: http://eurosport.de/radsport/tpfullpage_sto993724.shtml

Das fänd ich echt sowas von lustig! :roll:
Irgendwie fehlen mir dazu auch wirklich die Worte...

edit: Hier der gemeinte Artikel der "Europapress": http://www.europapress.es
edit2: muss mich vielleicht ein wenig korrigieren, es wird nur in spanien nicht mehr gegen ihn ermittelt, also er ist kein Beschuldigter in der "Operación Puerto" mehr

Verfasst: 26.10.2006 - 17:45
von jonas
Es wird und wurde in Spanien nie gegen Fahrer ermittelt, daher ist das an sich nichts neues.

Verfasst: 26.10.2006 - 17:46
von juan antonio flecha
Diese ganze Fuentes-Affaire ist doch nur mehr eine Farce. :roll:
Fehlt nur noch, dass Gutierrez auch wieder Rennen fahren darf. :x

Verfasst: 26.10.2006 - 20:04
von bayerchecker06
Ullrich steht ja jetz mal vor einem größeren Problem: Der Österreichische Verband will ihm keine Lizenz geben, aus Deutschland und der Schweiz bekommt er sowieso keine, in den anderen Ländern wohl auch nicht! 8O

Verfasst: 26.10.2006 - 20:35
von José Miguel
Naja, keine Sorge, aus Österreich hat er schonmal eine Absage bekommen: http://eurosport.de/radsport/tpfullpage_sto994092.shtml

Irgendwie ist dieser Sinneswandel schon ein bißchen verwunderlich, aber dennoch vollkommen richtig.

Verfasst: 27.10.2006 - 21:22
von Denis_Mentschow
Das verfahren gegen Basso wurde eingestellt:

http://www.eurosport.de/radsport/protou ... 5190.shtml

Ich frag mich ob die überhaupt Beweise gegen ihn haben/jemals hatten.

Verfasst: 28.10.2006 - 12:05
von TeamTelekom
:arrow: Unbinet bekommt die Lizenz von Phonak

:arrow: In Spanien werden alle Verfahren

:arrow: Astana wird wohl das beste 2. Ligateam aller Zeiten oder drehen die Geldgeber den Hahn zu ?

:arrow: Ullrich redet von Toursieg

:arrow: Manolo Saiz darf seine Lizenz behalten obwohl der überführt wurde

Die Mächtigen haben überhaupt nichts gelernt, das Verfahren ist eine Farce und am Ende werden alle wieder zu weiter machen wir bisher. Auf eine schöne Tour 2007 8)

Verfasst: 28.10.2006 - 15:26
von wodka
TeamTelekom hat geschrieben:Die Mächtigen haben überhaupt nichts gelernt, das Verfahren ist eine Farce und am Ende werden alle wieder zu weiter machen wir bisher. Auf eine schöne Tour 2007 8)
Ich habe vertrauen in Prudhomme und gehe davon aus, dass er kein Team mit verdächtigen Fahrern einladen wird, selbst nicht Discovery wenn sie Basso unter Vertrag nehemen.
Irgendjemand muss reagieren und schauen, dass die Fuentes-Fahrer nicht antreten, da die Gerichte aber nichts tun können und die UCI überhaupt nicht einschreitet und besonders da noch einige Teams gewillt sind Fuentes-Fahrer zu engagieren, werden sich zumindest die Organisatoren (und ganz besonders das Aushängeschild TdF) schützen müssen um Glaubwürdigkeit zu erlangen.

Verfasst: 30.10.2006 - 6:28
von Mangahn
Irgendwie mag ich es garnicht glauben. Niederlage auf ganzer Linie. Selbst Ulrich kann jetzt ganz legal weitermachen, er muß nur noch ein Land finde, daß ihm eine Lizenz gibt. Und nach meiner eigenen Meinung wäre es nur fair, wenn er auch eines findet. Es kann ja nicht sein, daß nur ein einziger bestraft wird.

UNGLAUBLICH, das man da mit durchkommen kann. Gibt es jetzt eigentlich für die Zukunft schon Lösungen, damit man in einem vergleichbaren Fall nicht wieder auf die Nase fällt und die Spieler sperren kann? Oder wird man beim nächsten Mal einfach nicht mehr öffentlich und laut schreien? Hat man den Kampf verloren gegeben?

Verfasst: 30.10.2006 - 14:03
von Klaus und Tony
Die wichtigste Konsequenz der ganzen Affäre scheint mir zu sein, dass es der Sport allen Beteuerungen eines Herrn Bach zuwider eben nicht schafft, eventuelle Vergehen, die über einen positiven Dopingtest hinausgehen, allein zu sanktionieren.

Es gibt nun mal nicht den rechtsfreien Raum, in dem die Unschuldsvermutung einfach über den Haufen geworfen werden kann. Solange positiver Test und/oder Geständnis fehlen, wird sich immer ein Anwalt finden, der Verfahrensfehler, fehlende Zuständigkeiten etc. ins Feld führt.

Momentan wird ja wohl unter anderem auch die Anhörung eines spanischen Polizisten erwartet, in der er sich zu den Vorwürfen der Dokumentenfälschung äußern soll.
Allein dieser Verdacht (gepaart mit dem Zeitpunkt der Veröffentlichung von Operation Puerto) lässt den unwissenden Betrachter an der im Juli so feststehenden Wahrheit "Basso und Ullrich sind Betrüger!" schon wieder leicht zweifeln.

Was wäre die moralisch ideale Konstellation? Nächste Saison mit Basso, aber ohne Ullrich? Mit beiden? Ohne beide, dafür mit Astana, das bei der Tour macht, was es will?
Ich glaube, ich bin immer mehr dafür, den ganzen Kram für Erwachsene einfach freizugeben.

Verfasst: 30.10.2006 - 14:10
von RobRoe
In diesem Zusammenhang:
Der sid hat geschrieben:Front gegen Ullrich und Co. steht noch

Bach setzt auf Spaniens neues Gesetz =

Neuss (sid) Für IOC-Vize Thomas Bach, Leiter der Juristischen
Kommission des Internationalen Olympischen Komitees, könnte sich
die Situation in der spanischen Dopingaffäre schon bald zugunsten
der Sportgerichte ändern: "Das neue Gesundheitsgesetz soll noch im
November verabschiedet werden. Es sieht im Gegensatz zur
derzeitigen Fassung ausdrücklich die alleinige Zuständigkeit des
Sports für Dopingvergehen vor und könnte das Gericht doch noch zur
Freigabe der Unterlagen veranlassen", sagte der
Tauberbischofsheimer dem sid.
Unabhängig davon hat das vorläufige Verwertungsverbot der
Madrider Kammer die Rückkehr von Jan Ullrich, Ivan Basso und Co.
auf die internationale Radsportbühne nicht wahrscheinlicher
gemacht. "Die Front steht nach wie vor", kommentierte
Gerolstein-Teamsprecher Mathias Wieland den Verlauf der
ProTour-Sitzung in der vergangenen Woche. Dort hatten die
Rennställe erneut bekräftigt, keine unter Verdacht stehenden Fahrer
unter Vertrag nehmen zu wollen.
So lange es bei dieser Haltung bleibt, sind die Lizenzen für
den Italiener Basso und die spanischen Fahrer ein Muster ohne Wert.
Gleiches würde für Ullrich gelten, falls er nach dem Austritt aus
dem Schweizer Verband in einem anderen Land eine Lizenz bekäme.
Das größte Problem aus Sicht des Weltverbandes UCI ist derzeit
die ProTour-Lizenz von Manolo Saiz, die von der
Zulassungskommission bestätigt wurde. Sein Active-Bay-Rennstall
könnte zum Auffangbecken für verdächtigte Fahrer werden. Zu ihnen
zählen auch der Ansbacher Jörg Jaksche, der beim früheren Saiz-Team
Liberty Seguros unter Vertrag stand, oder der Spanier Oscar
Sevilla, dessen bis Ende 2006 laufender Vertrag von T-Mobile
fristlos gekündigt worden war.
Bei der UCI hofft man nun, dass der schwer beschuldigte Saiz
die Auflagen für 2007 bei der anstehenden Überprüfung der
Unterlagen Ende November nicht erfüllen kann, weil er keine
Sponsoren findet. Ansonsten, so UCI-Sprecher Enrico Cartani, müsse
man den Obersten Sportgerichtshof CAS anrufen.

Verfasst: 30.10.2006 - 14:15
von Stephen Roche
Faktisch ist das doch schon der Fall.

Wie oft stilisiert sich der mutmaßliche Täter zum Opferlamm? Hamilton, dessen Name in beinahe jedem nur denkbaren Dopingzusammenhang gefallen ist ... Landis, der nicht nur eine für nicht möglich gehalten Leistung zeigt, sondern nach positiven Befund die Lancesche Weltverschörungstheorie aufgreift und weiterspinnt ... Ullrich, Basso und Co., die sich durch die beharrliche Weigerung, an der Aufklärung mitzuwirken, auszeichnen, sich gegenseitig als beste Freunde hinstellen und sich wechselseitig die Tourteilnahme gönnen ... oder im Langlaufbereich der Fall Evi S., der zutage fördert, dass die Dame alle vier Jahre mit ungewöhnlich hohen Werten langläuft (ein Zufall, dass es stets Olympiajahre sind?); eine Regelanwendung führt aber zum Behleschen Amoklauf ...

Und die Verbände haben kein Interesse daran, große Skandale aufzudecken, ebensowenig die Sportler, Sponsoren, Medien ... damit kann man leben und damit wird man leben müssen. Nur - und hier das einzige Contra zu KuT: man darf es dennoch nicht freigeben. Es ist mE illusorisch zu glauben, dass eine Entstigmatisierung des Dopings nicht auf den Jugendbereich ausstrahlen würde.

[By the way: Dass auch auch und gerade im Jugendbereich einiges im Argen liegt, zeigt der Fall Springstein. Für das Dopen einer Jugendlichen, ohne deren Wissen und Einwilligung hat er eine Bewährungsstrafe erhalten. Die Frage ist doch: warum diese Mildtätigkeit?) ]

Verfasst: 30.10.2006 - 14:16
von Lance Armstrong Fan
Klaus und Tony hat geschrieben:Ich glaube, ich bin immer mehr dafür, den ganzen Kram für Erwachsene einfach freizugeben.
Ja, prinzipiell eine gute Idee vor allem, weil dann große Summen für Dopingtests wegfielen.
Doch habe ich auch meine Bedenken:
Würde dann nicht ein Dopingzwang entstehen? Gut manche mögen schon jetzt denken, dass es den schon gibt, doch wenn Doping wirklich freigegeben wird, dann ist es ganz klar, dass man ja dopen muss um keinen Nachteil in diesem Bereich zu haben.
Zweitens hätte ich dann Angst, dass jedes Radrennen zu einem "Kampf der Labore" wird. Frei nach dem Motto: "Wer spritzt sich den besten Radprofi zusammen".

Ich würde eher an der Strafverfolgung arbeiten, als Doping freizugeben. Ich denke, wenn man einen Profi auch zivilrechtlich verfolgen kann, steigt die Hemmschwelle.
Sicherlich muss man es schaffen, dass jeder Profi, egal aus welchem Land er kommt, gleich verfolgt wird.

Verfasst: 30.10.2006 - 14:55
von Stephen Roche
Zum Bach-Statement:

"Alleinige Zuständigkeit des Sports" ... meines Wissens ist das doch das Zugeständis gewesen, dass Bach, der vermeintliche Oberaufklärer, den Verbänden machen musste. Mir scheint, als wolle man den Bock zum Gärtner machen. Die Sportverbände sträuben sich gegen ein Antidopinggesetz, dass Doping stärker kriminalisiert, um sich sodann als Triebfeder der Dopingaufklärung hinzustellen, die anders als die ordentlichen Gerichte schnell und effizient Dopingvergehen aufklärt. Das ist paradox. Sorry.