Grand Tours '05

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SantiPerezFernandez
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Re: Grand Tours '05

Beitrag: # 314055Beitrag SantiPerezFernandez
15.10.2005 - 20:34

Die Grand Tours 2005

Das Rundfahrtjahr 2005 ist Geschichte, das erste Jahr der Pro Tour. Viel war im Vorjahr spekuliert worden, was die Pro Tour den drei großen Landesrundfahrten, dem Giro d’Italia, der Tour de France und der Vuelta a España, bringen könnte.

Vor allem die Rundfahrten in Italien und Spanien standen dabei immer im Zentrum der Überlegungen. Auf der einen Seite wurde als Argument angeführt, dass nun die besten Teams bei allen Rundfahrten am Start seien und es sich die Teams nicht mehr erlauben könnten, ohne Ambitionen mitzufahren, auf der anderen Seite wurden aber auch Bedenken geäußert, dass viele Teams nur Ersatzteams an den Start schickten, die den motivierten, einheimischen, zweitklassigen Teams einen Startplatz wegnähmen.

Wie in jedem Jahr kam es auch in diesem Jahr zu Überlegungen vor den einzelnen Rundfahrten, welche von den dreien wohl die beste sei. Da sich das vor einer Rundfahrt leicht sagen lässt, aber nicht wirklich bewiesen werden kann, bleibt nur die Möglichkeit, im Nachhinein festzustellen, was die drei Grand Tours in diesem Jahr zu bieten hatten, welche in diesem Jahr die beste GT war.

Dazu soll zunächst festgehalten werden, was eine großartige Rundfahrt ausmacht.

Das A und O ist sicherlich die Strecke. Der Zuschauer will keine völlig flachen Etappen sehen, die nach drei Stunden Übertragung in einem Massensprint enden. Er will vielmehr Etappen sehen, auf denen der Ausgang völlig offen ist, auf denen ein Massensprint zwar möglich ist, aber auch Ausreißer bzw. Klassikerfahrer eine Chance haben, zu siegen.
Ferner ist die Abwechslung ein wichtiger Faktor. Es soll schließlich der Fahrer am Ende die Rundfahrt auf dem Podium beenden, der über drei Wochen eine starke Leistung bringt, nicht derjenige, der nur eine Woche stark fährt. Also ist die Anordnung von Berg- und Sprintetappen sowie von Zeitfahren von enormer Bedeutung. Bergetappen sind auch nicht gleich Bergetappen. So sind Hochgebirgsmehrpassetappen solchen vorzuziehen, die flach sind und am Ende auf einen Berggipfel führen, da es bei Mehrpassetappen viel mehr taktische Möglichkeiten für die einzelnen Fahrer gibt.

Die Strecke allein reicht aber noch nicht aus, um eine Rundfahrt hochklassig zu machen. Der Zuschauer will mitfiebern, und das kann er nur dann tun, wenn es einen spannenden und abwechslungsreichen Rennverlauf gibt. Duelle um Platzierungen, am besten um die Spitzenposition, oder der Kampf um Sondertrikots sind hier ebenso hervorzuheben. Die namentliche Qualität eines Fahrerfeldes sowie die Überraschungen einer Rundfahrt sind auch zu nennen.

Das alles sollen Punkte sein, die die Möglichkeit bieten, die drei großen Landesrundfahrten des Jahres 2005 miteinander zu vergleichen.

Ein Beispiel für spannenden Radsport – der Giro d’Italia 2005

Alles begann in diesem Jahr, wie es inzwischen zur Tradition geworden ist, mit dem Giro d’Italia, der Italienrundfahrt. Vom 07. bis zum 29. Mai sollten 198 Radprofis die Chance bekommen, einen Nachfolger für Damiano Cunego als Girosieger zu finden.
Neben dem Titelverteidiger galten sein Teamkollege Gilberto Simoni und ein weiterer Landsmann, der für das CSC-Team von Bjarne Riis startende Ivan Basso, als Topfavoriten. Außenseiterchancen wurden vor allem den ehemaligen Girosiegern Stefano Garzelli (2000) und Paolo Savoldelli (2002), aber auch dem Zweiten des Vorjahres, dem Ukrainer Sergei Gontschar, zugetragen.

Neben den Gesamtwertungsfahrern standen vor allem die Sprinter, aber auch die Klassikerfahrer, im Interesse der Fans. So startete nahezu die gesamte Creme de la Creme der Sprinterwelt: Der Topsprinter schlechthin, Alessandro Petacchi, der australische Meister, Robbie McEwen, das deutsche Sprinturgestein Erik Zabel, aber auch so bekannte Namen wie Stuart O’Grady, Jaan Kirsipuu oder Tom Steels.
Einer war nicht mehr am Start. Der große Mario Cipollini, Rekordetappensieger beim Giro d’Italia, hatte wenige Wochen vor dem Start sein Karriereende bekannt gegeben. Doch gänzlich fehlen sollte auch er nicht.

Aber auch an Klassikerfahrern mangelte es dem Giro nicht. Vor allem die beiden Namen von Paolo Bettini und Danilo Di Luca seien hier genannt. Die erste Girowoche schien nämlich einige Etappen zu haben, die es solchen Fahrern ermöglichte, in Erscheinung zu treten und vielleicht mal einen Tag das Magglia Rosa zu tragen.

Gerade dieser Fakt begeisterte einige Experten schon lange vor der Rundfahrt. Es sollte wohl keine erste Woche werden, die nur den Sprintern gehört, wie man es von so vielen anderen Rundfahrten schon kannte. Schon in der ersten Woche sollte es die Möglichkeit für die Klassementsfahrer geben, sich einige Sekunden gegenüber der Konkurrenz zu sichern oder aber sie zu verlieren.

Der Giro begann mit einem 1150 m langen Prolog, der zur Prime Time, zur besten Sendezeit, in die Welt gesendet wurde. Viel war spekuliert worden, ob so ein Prolog eher etwas für die Sprinter oder für ehemalige Bahnfahrer sein würde. Am Ende sollten beide Theorien teilweise richtig liegen. Brett Lancaster aus Australien, der für das italienische Team Panaria – eines von nur zwei Professional-Teams, die am Start waren, der Pro Tour sei Dank – konnte die schnellste Zeit an diesem Abend fahren, mit Alessandro Petacchi auf Rank 3 ließ aber auch der erste Sprinter nicht lange auf sich warten.
Den größten Auftritt an diesem Abend hatte aber nicht der Prologsieger, sondern Sprintikone Mario Cipollini. Gekleidet in einen Ganzkörperraddress in den Farben rosa und silber, der in der Dunkelheit der Nacht leuchtete, fuhr Cipollini unter dem Beifall der tausenden Tifosi den letzten Kilometer seiner Profilaufbahn. Ein bewegender Abschied von einem der ganz Großen.

Was folgte, war eine der interessantesten ersten Wochen der Geschichte der Grand Tours. Es kommt nicht häufig vor, dass viele Zuschauer förmlich nach Sprintankünften schreien, doch in diesem Jahr geschah genau das. Grund dafür war das, was der Giro in seiner ersten Woche bieten konnte. Jeden Tag schieden sich die Geister, ob die Etappe jetzt etwas für die reinrassigen Sprinter oder doch für die Klassikerfahrer sei. Das Ergebnis war eine Dominanz der Klassikerfahrer, allen voran Paolo Bettini und Danilo Di Luca, die sich in der ersten Woche mit allen Mitteln einen Kampf um das Rosa Trikot lieferten.

Nach dem ersten langen Einzelzeitfahren, in dem Ivan Basso das beste Ergebnis der Favoriten erfahren konnte, ging es so langsam in die Berge. Auch diese boten das, was eigentlich nur der Giro bietet – eine unglaubliche Abwechslung.

Kein Tag im Gebirge verlief so wie der andere, doch alle hatten etwas Ähnliches. Es waren zwei Fahrer aus einem Team, die immer wieder früh attackierten, zunächst nur, um Bergpunkte zu ergattern und vielleicht eine Chance auf einen Etappensieg zu haben, später aber als gezielter Angriff auf das Gesamtklassement. Es war die Entdeckung des José Rujano Guillén in Europa. In den ersten Bergetappen war er noch keine Gefahr, da er nach dem Zeitfahren einen zu großen Rückstand auf die Topfavoriten hatte, aber nach und nach konnte er von seinem Rückstand Sekunde um Sekunde abarbeiten, so dass er am Ende mit einem Platz auf dem Podium in Mailand und dem Gewinn des Bergtrikots sowie einer Etappe belohnt wurde, ebenso sein nicht minder aggressiver Teamkollege Ivan Ramiro Parra Pinto, der zwei Etappen für sich entscheiden konnte.

Im Hochgebirge wurde schnell klar, dass Titelverteidiger Damiano Cunego mit dem diesjährigen Sieg nichts zu tun haben sollte. Schon auf der ersten Bergetappe verlor er viel Zeit. Zunächst am stärksten schienen Ivan Basso und Paolo Savoldelli, die die erste Bergankunft unter sich ausmachten. Doch beide sollten noch schwächere Tage haben.

So kam Gilberto Simoni mit der Zeit immer besser in Form und wurde eine immer größere Gefahr für Savoldelli. Basso hatte zu dieser Zeit ein Magen-Darm-Infekt um seine Siegchancen gebracht, auf dem Weg nach Livigno verlor er über 40 Minuten.
Simoni und Rujano waren also die einzigen verbliebenen Akteure, die Savoldelli noch vom Girothron stoßen konnten. Nach dem letzten Einzelzeitfahren betrug Savoldellis Vorsprung 2.09 Minuten auf Gilberto Simoni, gar 3 Minuten auf Rujano und nur wenig mehr auf den im Hochgebirge sensationell starken Danilo Di Luca.

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Simoni, Savoldelli, Rujano (v.l.) – die drei besten Fahrer einer großen Rundfahrt

Eine Bergankunft in Sestriere aber sollte noch folgen und auf dem Weg zum Gipfel des extrem schweren Finestre versuchten die drei Verfolger alles, um Savoldelli das Magglia Rosa noch abzunehmen. Es sollte aber nicht mehr gelingen, auch auf Grund seiner Abfahrqualitäten konnte Paolo Savoldelli zum zweiten Mal in seiner Karriere den Giro d’Italia gewinnen. Am Ende trennten ihn 28 Sekunden von [/b]Simoni und 45 Sekunden von Rujano.

Als zweite Grand Tour stand traditionell die Große Schleife durch Frankreich, die Tour de France, auf dem Rennkalender.

Ist Armstrong schlagbar? Auf dem Rad zumindest nicht

Die wichtigste Frage, die eigentlich alle deutschen Journalisten und Fans vor dem Start beschäftigte war, ob es Jan Ullrich zum ersten Mal gelingen sollte, Lance Armstrong zu schlagen. Dieser hatte nämlich sein Karriereende für nach der Tour de France angekündigt, die letzte Chance also für Ullrich, Armstrong zu schlagen.

Ivan Basso, der beim Giro so viel Pech hatte mit einer Krankheit, galt bei vielen Fachleuten als einziger weiterer Gegner, der eine Chance auf den Gesamtsieg haben könnte. Nur Außenseiterchancen wurden dem Spanier Francisco Mancebo und dem Kasachen Alexandre Vinokourov zuteil.

In den Sprints konnte die Tour nicht ganz an den Giro heranreichen, aber mit Tom Boonen, Thor Hushovd und Robbie McEwen dennoch bekannte Namen an den Start bringen.

Bereits im Auftaktzeitfahren zeigte Armstrong jedoch der Konkurrenz, wo der Hammer hängt. Er überholte den vor ihm gestarteten Jan Ullrich, der in der Vorbereitungszeit gestürzt war, und nahm ihm und der weiteren Konkurrenz über eine Minute ab.

Es folgte das übliche Bild der Frankreichrundfahrt. Eine Woche lang radelte das Feld durch Frankreich, am Ende jeder Etappe kam es zum Massensprint, doch es sollte auch spannender werden. Armstrong, der durch den Sieg seiner Mannschaft im Mannschaftszeitfahren das Maillot Jaune übernommen hatte, gab Ausreißern ihre Chance, die diese in den Vogesen versuchten zu nutzen.

Auf dem Weg nach Mulhouse waren es drei Fahrer, die diese Chance nutzen konnten. Michael Rasmussen konnte nach einer langen Soloflucht die Etappe sowie alle Bergwertungen für sich entscheiden und übernahm das Trikot des besten Bergfahrers, die französische Hoffnung Christoph Moreau konnte auf die anderen Klassementsfahrer gute drei Minuten herausholen und Jens Voigt schlüpfte an seinem Hinterrad ins Gelbe Trikot.

Doch bloß eine Etappe später schien es so, als wäre das Team CSC in diesem Jahr vom Pech verfolgt. Nach Ivan Basso beim Giro erkrankte auch Jens Voigt bei der Tour und schied einen Tag, nachdem er das Gelbe Trikot an Armstrong wieder verloren hatte, aus.
Auch unter den Favoriten gab es einige größere Überraschungen. Jan Ullrich konnte nach einem weiteren Sturz schnell den Anschluss nicht mehr halten und auch Ivan Basso konnte den stärksten Fahrern des Tages nicht folgen.
Lance Armstrong jedoch fuhr gewohnt souverän und wurde Etappenzweiter hinter dem zeitgleichen Spanier Alejandro Valverde und knapp vor der Entdeckung Michael Rasmussen sowie Valverdes Teamkollegen Francisco Mancebo. Mitfavorit Vinokourov verlor über fünf Minuten.

Auf den weiteren Bergetappen zeigten sich vor allem bereits abgeschlagene Klassementsfahrer weit vorne, so dass Vinokourov und Pereiro jeweils eine Etappe gewinnen konnten.

Aber Armstrong sollte der Gesamtsieg dennoch nicht geschenkt werden. Auf dem Weg nach Ax 3 Domaines versuchte das deutsche T-Mobile-Team mit seinen drei Kapitänen Ullrich, Vinokourov und Klöden alles, um Armstrong zu gefährden. Schon am vorletzten Anstieg zum Pailheres griff das Team geschlossen an, auch Ivan Basso versuchte sich von Armstrong abzusetzen, doch der Texaner blieb souverän und konnte im Schlussanstieg seine Konkurrenten gar noch distanzieren.

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War auch in diesem Jahr übermächtig – Lance Armstrong

Nachdem auch auf dem Weg nach Saint-Lary Soulan Armstrong keine Zeit auf Basso verlor und Ullrich zum wiederholten Male einen Hungerast erlitt, schien die Tour de France eigentlich entschieden. Armstrong würde zum siebten Male die Tour de France gewinnen, Basso würde Zweiter werden, die einzige Frage war noch, ob es Jan Ullrich gelingen sollte, Michael Rasmussen vom dritten Platz zu verdrängen.

Auf dem Weg nach Mende konnte er Rasmussen knappe 30 Sekunden abnehmen, im Abschlusszeitfahren wurde der Däne dann zur tragischen Figur. Zwei Stürze und fünf Radwechsel sollten ihn nicht nur vom Podium werfen, sondern gar aus den Top 5 der Rundfahrt.

Mit seinem ersten Etappensieg in diesem Jahr machte Armstrong seinen siebten Toursieg endgültig fest, das Trikot des Punktbesten gewann Thor Hushovd, nachdem Tom Boonen nach Sturz ausscheiden musste, und das Trikot des besten Bergfahrers ging dann doch noch an Michael Rasmussen, so dass die Tour auch für ihn ein versöhnliches Ende fand.

Eine Rundfahrt nur für Spanier? In diesem Jahr schon!

Die letzte große Landesrundfahrt des Jahres fand in Spanien statt. Die Vuelta a España ist seit Jahren für viele nur irgendeine Rundfahrt, für die einheimischen Fahrer bleibt sie aber das Highlight des Jahres.

Topfavorit der Rundfahrt war der Spanier Roberto Heras, seines Zeichens dreifacher Vueltasieger, der in diesem Jahr die Chance hatte, als erster Fahrer zum vierten Mal die Spanienrundfahrt zu gewinnen.

Außenseiterchancen rechneten die Experten dem Tourvierten Francisco Mancebo und dem wiedererstarkten Tour de Suisse – Sieger Aitor Gonzalez zu.

In den Sprints war die Vuelta hingegen internationaler und zwar hochklassig besetzt. Neben Topsprinter Alessandro Petacchi starteten auch Tom Boonen, Thor Hushovd und Erik Zabel in Spanien.

Die ersten Etappen waren alles andere als langweilig. Nach dem Prologsieg von Denis Menchov war es Bradley McGee, der auf der ersten Etappe wenige Kilometer vor dem Ziel angriff und durch einen zweiten Etappenplatz das Trikot des Führenden übernehmen konnte.

Es folgten zunächst einige Tage für die Sprinter, in denen Alessandro Petacchi eindrucksvoll zeigen konnte, warum er derzeit der weltbeste Sprinter ist, bevor es bereits auf der sechsten Etappe zur ersten Bergankunft kam. Zwar gab es nur Abstände im Sekundenbereich, aber dennoch zeigte sich schon in Valdelinares, wer am Ende der Rundfahrt weit vorne landen sollte. Topfavorit b]Heras
konnte die Etappe für sich entscheiden vor dem überraschend starken Menchov und dem Spanier David Blanco.

Das Trikot des Spitzenreiters konnte Heras jedoch nur für zwei Sprintetappen übernehmen, da im Zeitfahren Denis Menchov die Spitzenposition durch einen Zeitfahrsieg erneut übernahm.

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Konnte am Ende doch noch triumphieren – Roberto Heras

Bei den weiteren Bergetappen nach Arcalis, zur Skistation Aramon Cerler und nach Lagos de Covadonga gab es zwischen den beiden Topfahrern der Rundfahrt keinerlei Abstände. Lediglich zwischen den Fahrern, die um den letzten verbliebenen Platz auf dem Podium, gab es immer wieder Abstände. Jeden Tag hatte ein anderer von diesen Probleme und konnte den Anschluss nicht halten. So blieb der Abstand zwischen Heras und Menchov zwar konstant, die übrigen verloren aber nach und nach den Anschluss im Klassement.

Es schien schon so, als würde Menchov die Vuelta gewinnen können, da nach der Etappe nach Lagos de Covadonga nur noch eine Bergankunft, aber auch noch ein Zeitfahren auf dem Programm der Profis stand. Doch Roberto Heras und sein Liberty Seguros – Team konnten auf der letzten schweren Bergetappe ein taktisches Meisterwerk abliefern. Bei strömendem Regen griff Roberto Heras schon am vorletzten Berg an und konnte sich von seinem großen Konkurrenten lösen. In einer Spitzengruppe, an die Heras heranfuhr, waren noch vier weitere Teamkollegen, die den Abstand zu Menchov und den anderen Favoriten kontinuierlich vergrößern konnten. Menchov verlor über fünf Minuten und so wurde Roberto Heras der erste Fahrer, der zum vierten Mal bei der Vuelta a España triumphieren konnte, denn auf den restlichen Etappen gab es keine gravierenden Veränderungen im Klassement mehr.
Carlos Sastre fuhr von den weiteren Favoriten am konstantesten, so dass er letztendlich verdient auf dem dritten Platz in Madrid landete.

Kann der Giro besser sein als die Tour? In diesem Jahr war er es ohne Zweifel

Ein Fazit zu ziehen fällt relativ leicht, denn in kaum einem Jahr kann man so eindeutig die Grand Tours nach ihrer Klasse sortieren. In diesem Jahr stand der Giro d’Italia klar über den anderen beiden großen Landesrundfahrten, die Tour de France im Weiteren vor der Vuelta a España.

Der Giro hatte alles, was das Herz eines Radsportfans höher schlagen lässt. Die Flachetappen waren in den seltensten Fällen komplett flach, so dass auch die Klassikerspezialisten Chancen auf Etappensiege hatten. Zudem gab es einen bis zum Ende offenen Kampf um die Gesamtwertung und die Überraschungen, die eine Rundfahrt ausmachen. So hat wohl niemand vor der Rundfahrt damit gerechnet, am Ende José Rujano auf dem Podium stehen oder Danilo Di Luca so stark über drei Wochen zu sehen.
Die Besetzung der Rundfahrt war auf der einen Seite sehr gut, ließ aber auf der anderen Seite auch zu wünschen übrig. Durch die Pro Tour war die Organisation gezwungen, 20 feste Teams einzuladen, und durfte nur zwei weitere Teams einladen.
Viele der Pro Tour Teams schickten erfreuliche gute Aufgebote zum Giro, so dass die Sprinterkonkurrenz stärker war als bei den beiden anderen GT’s, jedoch waren es vor allem französische Teams, die mit ihren zweitklassigen Kadern fehl am Platze waren. So musste der Giro auf die Teams Naturino und LPR verzichten, die mit Francesco Casagrande und Pavel Tonkov immerhin zwei ehemalige Girotopstars in ihren Reihen hatten und zudem weitere hochmotivierte Fahrer an den Start gebracht hätten.
Die Bergankünfte boten das, was sie bieten sollten, nämlich Spannung über die gesamte Etappe und die Möglichkeit für die Fahrer, bereits an frühen Anstiegen eine Attacke zu reiten.
Alles in allem war dieser Giro eine hochklassige Veranstaltung.

Die Tour de France hatte zwei Probleme, die es letztlich klar verhinderten, an den Giro heranzukommen.
Zum einen sei hier die erste Rennwoche genannt, die zu flach war, als das dort hätte Spannung aufkommen können, zum anderen muss die Dominanz von Lance Armstrong genannt werden, die einen spannenden Kampf um den Gesamtsieg verhinderte.
Eines jedoch hatte die Tour de France, Bergetappen, bei denen es möglich war, bereits früh anzugreifen. Da dies häufig von den Fahrern auch genutzt wurde, ist der Abstand zwischen Giro und Tour in diesem Jahr zwar groß, aber nicht überdimensional.
Die Besetzung der Tour de France war wieder einmal die Creme de la Creme, zumindest wenn es um die Klassementsfahrer geht. Dort war sie den anderen beiden Rundfahrten haushoch überlegen. Anders sieht es da in den Sprints aus, in denen man mit den Namen des Giro nicht mithalten konnte und in der Spitze gar schwächer war als die Vuelta.
Die Pro Tour veränderte nichts an dem Starterfeld der Tour de France, da auch die Franzosen ihre Topstars an den Start schickten. Anders als in den Vorjahren war das Peloton jedenfalls nicht.

Das größte Problem der Vuelta a España war in diesem Jahr die zugegebenermaßen vorhandene Langeweile. Bei den Bergetappen gab es zwischen den Favoriten lediglich zwei Etappen, wo es Abstände gab.
Die Flachetappen waren zumeist so flach, dass nur im Massensprint eine Entscheidung über den Tagessieg fallen konnte. Die großen Bergetappen gab es nicht, meist waren es Flachetappen, bei denen es am Ende einen Schlussanstieg hoch ging.
Bei der Besetzung hatte die Vuelta am meisten von den drei großen Landesrundfahrten zu leiden. Die Pro Tour zwang die Organisation die 20 festen Rennställe einzuladen, die zum Großteil einen Rumpelkader nach Spanien entsandt haben. Da man sich entschied, zusätzlich Comunidad Valenciana, das beste Team dieser Vuelta, und das unauffällig fahrende Relax – Fuenlabrada einzuladen, musste beispielsweise das über die Saison sehr gut gefahrene Team Kaiku auf einen Start verzichten.
Bei den Sprints konnte die Vuelta das noch kompensieren und stellte das zweitbeste Sprinterfeld von den Grand Tours, aber bei den Klassementsfahrern lag man meilenweit hinter den anderen beiden Rundfahrten, da keines der ausländischen Teams einen richtigen ausländischen Rundfahrer mit nach Spanien brachte.
"Wenn dieser Code wirklich angewandt wird, darf nur Tour-Chef Jean-Marie Leblanc antreten!"

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