Die Rückkehr der Legenden

FIKTIVE Radsport-Geschichten von Usern, die sich für schreibtalentiert halten

Moderator: Grabba

Wie kommt der AAR bei euch an?

Umfrage endete am 5.9.2004 - 17:52

Spannende Story
1
7%
Schöne Idee
2
13%
Langweilig
1
7%
AAR ist zu schlicht
2
13%
AAR ist zu schlecht
9
60%
 
Abstimmungen insgesamt: 15


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HansFuchs
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Beitrag: # 340843Beitrag HansFuchs
5.4.2006 - 21:14

Schön, dass er dir gefällt, wassertrager. Und directeur und ETXE danke für euer Vertrauen bei der Monatswahl. :wink:

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Neunundzwanzigster Oktober, 12:04 Uhr, Thüringer Wald:

Es ist kalt geworden, Hase und Fuchs haben den Norden des Landes leicht angeschnitten, aber schnell wieder verlassen, um sich in Richtung Heimat aufzumachen. Ich hatte noch etwas in Bad Brambach zu erledigen und wollte diese Möglichkeit auch gleich nutzen, damit ich ihm die Mineralquellen etwas näher bringen kann. Aber dazu ein anderes Mal mehr.
Unser Verweilen im Thüringer Wald, genauer gesagt in Gotha, dauerte nur wenige Stunden, da wir nur ein zünftiges Mittagessen genießen wollten und dabei auch das Geschäftliche zu klären: Das Geschäftliche war der Import von wasserundurchlässiger Radsportkleidung, die in Japan bisher noch keinen großen Absatz finden konnte. "560 Rennanzüge in 23 verschiedenen Farben mit 18 Arten von Reißverschlüssen kann ich dir anbieten, Fuchs." schlug Hitoshi vor. "Die sind im Weltall geprüft worden." Ich überlegte kurz, hob mein Glas, nahm einen Schluck und rief die Bedienung. "Entschuldigen Sie, dürfte ich einmal die Aufmerksamkeit auf diesen Japaner lenken?" Ich wartete einen Augenblick. "Dieser Japaner." Ich stoppte. Hase rannte aus dem Gasthaus. Ich wunderte mich und versuchte ihm nachzurennen, doch die korpulente Kellnerin kreuzte meinen Weg und forderte mich mit böser Miene zum bezahlen auf. "Bezahlen Sie." Ich stampfte mit dem Fuß. "Aber, der Japaner." stammelte ich irritiert. "Nichts da, erst bezahlen, dann gehen können." Mürrisch legte ich einen Hunderter auf den Tisch und verschwand mit leerem Magen aus dem Haus. Mein Blick versuchte Hase zu erspähen, doch es war zum verzweifeln, denn weit und breit waren keine 167 Zentimeter zu sehen. Nun stand ich ohne Wagen da und auch mein Fahrrad schien entlaufen zu sein, Grund genug es das nächste Mal anzubinden. Die einzige Möglichkeit, die mir noch blieb, war zu resignieren und das tat ich für einen Augenblick. Der Deal war geplatzt, kein Auto, kein Fahrrad, keine japanischen Rennanzüge, nichts. Musste ich nun mein Ziel, Haiti das Radfahren zu lehren, aufgeben? Die nächsten Tage sollten Aufklärung bringen.
Frag Hanni!

RotRigo
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Beitrag: # 340880Beitrag RotRigo
6.4.2006 - 0:50

Ich lieb's.
Nicht so elendig lange Texte, dafür aber mit umso mehr Lachern. Die RotRigo's und co sollen jetzt doch bitte einpacken...

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wassertraeger29
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Beitrag: # 340881Beitrag wassertraeger29
6.4.2006 - 0:52

HansFuchs hat geschrieben:Die nächsten Tage sollten Aufklärung bringen.
Bitte nicht! ;)

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pille24
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Beitrag: # 340884Beitrag pille24
6.4.2006 - 1:15

ich finds auch lustig
:lol:
RotRigo hat geschrieben:Ich lieb's.
Nicht so elendig lange Texte, dafür aber mit umso mehr Lachern. Die RotRigo's und co sollen jetzt doch bitte einpacken...

www.deppenapostroph.de

RotRigo
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Beitrag: # 341027Beitrag RotRigo
6.4.2006 - 19:03

pille, du dann aber auch.... ;)
Ich habe damals in der Schule gelernt, dass man ein Apostroph dann setzt, wenn ein Buchsstabe weggelassen wurde. Demnach ist mein "RotRigo's" durchaus falsch, das "ich lieb's" aber richtig, weil es eigentlich "ich liebe es" heißen müsste. Dein "ich finds" ist also auch falsch. Es müsste heißen "ich finde es" oder "ich find's".

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pille24
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Beitrag: # 341037Beitrag pille24
6.4.2006 - 19:42

stümmt;)
das mit lieb's ist klar, meinte die RotRigo's, da krieg ich immer das Kotzen;)

Wegen 'finds', hast recht, aber im inet lasse ich sowas dann weg. (aber mache keine falschen hin;))

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HansFuchs
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Beitrag: # 341053Beitrag HansFuchs
6.4.2006 - 21:03

@RotRigo: Ich mags, mag´s, mags' oder mag es ?
@pille: Wo hast du Gole...ne, der ist zu schlecht :wink:


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Dreißigster Oktober, 8:12 Uhr, im Nirgendwo (Gotha?):

Die Nacht hatte ich auf einer Parkbank verbracht, hintergegangen von Hitoshi Hase und ohne jegliches Kleingeld wachte ich am nächsten Morgen auf. Ich rieb mir die Augen und richtete mich auf. Es wehte eine leichte, wohltuende Briese, die meine Müdigkeit vertrieb. Plötzlich sah ich, wie sich ein großer Schatten vor mir auftat. "Was haben Sie auf meiner Parkbank zu suchen?" knurrte ein kerniger Mann. Ich schaute ihn in die Augen und sah enorme Willensstärke. Er wollte mich mit aller Kraft davon überzeugen, dass es seine Parkbank sei, er ein Recht auf diese habe, innerlich wusste der Mann aber auch, dass er im Unrecht war. Ich schüttelte verwundert den Kopf, faltete meine Hände zu einem Zelt. Der Mann, der eine schwarze Sonnenbrille trug, beharrte auf seinen Standpunkt. "Ich bin nicht umsonst hier. Jeden Tag vollführe ich eine Stunde Parkbank-Ethik. Eine neue Form, die das menschliche Verhalten untersucht." "Sind das Seminare?" fragte ich verwundert. "Ja, so in der Art. Die Menschen kommen von überall her, um meinen Reden zu lauschen." Er war ein Profi, das war offensichtlich. Innerhalb weniger Minuten hatte er mir seine Geschichte aufgetischt und mir den Platz auf der Bank genommen. Ich war verwundert, so etwas war mir noch nie passiert. Er hatte mich hypnotisiert, nur mit Hilfe seiner stechenden blauen Augen, die er tief in mein Gehirn bohrte. Ich verließ geschlagen den Park und suchte den nächsten Taxistand.

Nach etwa zehn Minuten war ich fündig geworden. Eine Kolonne von sechs, sieben, acht Autos erstreckte sich entlang der Hauptstraße. Ich hielt Ausschau nach einem freien Fahrzeug und klopfte an die Scheibe. "Guten Tag, ich habe zwar kein Geld, aber könnten Sie mich bitte nach Bad Brambach kutschieren." fragte ich offensiv und lächelte dazu noch. "Ja klar, kein Problem. Steigen Sie ein." ein freundlicher, älterer Taxifahrer mit Schnurrbart und langen Kotletten lud mich zur kostenfreien Fahrt ein. Immerhin waren es sicherlich gute 200 Kilometer bis zum von mir gewünschten Ankunftsort. "Eigentlich streiken wir alle, aber ich stehe einen Tag vor der Pensionierung." Was für ein Glücksgriff. Ich setzte mich, wie vom Taxifahrer, der sich später als Harry Kleinschmidt vorstellte, gewünscht, auf den Beifahrersitz und lauschte dem Verkehrslärm in der Innenstadt. Was ist schon Aufklärung?
Frag Hanni!

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HansFuchs
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Beitrag: # 341291Beitrag HansFuchs
7.4.2006 - 20:51

Harry: Und was machen Sie so?
Hans: Radsportfreund.
Harry: Dann sind Sie zu faul?
Hans: Nein, mir wurde mein Drahtesel entwendet.
Harry: Ein blauer?
Hans: Ja.
Harry: Und womit verdienen Sie ihr Geld?
Hans: Anderen das Radfahren zu lehren und mit Werbeeinnahmen.
Harry: Interessant.
Hans: Nicht wirklich. Und Sie?
Harry: Andere durch die Gegend kutschieren.
Hans: Stelle ich mir furchtbar schwierig vor.
Harry: Man gewöhnt sich daran.
Hans: Wo fahren Sie überhaupt hin?
Harry: Nach Bad Brambach, war doch richtig.
Hans: Sehr wohl.
Harry: Gut.
Hans: Wird das heute ihre letzte Fahrt?
Harry: Wohl war, das wird Sie.
Hans: Ist das etwas Besonderes?
Harry: Natürlich, gleich werden Sie Augenzeuge, wie ich den Wagen hier meine letzte Ehre erweise.
Hans: Aha.
Harry: Aber, nun zu Ihnen. Weshalb wollen Sie nach Bad Brambach?
Hans: Ich wohne dort.
Harry: Das kann ich mir schon denken, was werden Sie dort tun?
Hans: Privates und Geschäftliches erledigen.
Harry: Dann viel Glück.
Hans: Danke. Wie weit ist es noch?
Harry: Fragen Sie in zwei Stunden noch einmal und jetzt machen Sie ein Schläfchen.
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HansFuchs
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Beitrag: # 341796Beitrag HansFuchs
9.4.2006 - 13:51

Zweiter November, 11:25 Uhr, Bad Brambach:

Die Taxifahrt dauerte doch etwas länger als geplant. Das Benzin war ausgegangen und aufgrund des einwöchigen Lieferstopps der OPEC sind die Reserven der Tankstellen auf ein Minimum gesunken. Die Regierung hatte ein sofortiges Fahrverbot festgelegt und so musste ich die Heimreise per Fuß zurücklegen. Zum Glück waren wir schon kurz vor Hof, als plötzlich der ganze Verkehr staute und ein Auto nach dem anderen auf einen zentralen Abstellplatz gelagert wurde. So dauerte mein Fußmarsch noch gut 6 Stunden mit kleineren Pause versehen, war es ein durchaus gelungenes Erlebnis.
Was mir dann zu Hause, abgesehen vom Privaten, widerfuhr, war aber noch skurriler. Zur Vorgeschichte: Vor etwa zwei Wochen wurde mir in einem Telefongespräch mit dem Sportminister des Inselstaates Haiti zugesichert, dass ich ab 2006 die Aufgabe des Rad-Bundestrainers übernehmen solle, da Sie meine Visionen, auch Erfahrungen aus anderen Sportarten wie Badminton und Federball mit einfließen zu lassen, sehr schätzen und diese für wirksam betrachteten. So erwartete ich eigentlich nichts Außergewöhnliches. Der Ablauf war reine Routine. Tür aufgeschlossen, Mantel abgelegt, Schuhe ausgezogen, Toilette besucht, Hut abgenommen, Familie begrüßt, Knopf des Anrufbeantworters gedrückt, faule Katze zurechtgewiesen und zu guter Letzt der Blick in die Post - nichts besonderes. Doch dann schallte ein lautes Geräusch, das dem Brunstschrei des afrikanischen Ohrenauges glich, durch die Wohnung. "Bruuuaaahhh" hatte ich es in Erinnerung. Nein, es war eher ein "Brüüüühh" mit leichter Vokalverschiebung. Ich rannte ins Wohnzimmer und hörte den Anrufbeantworter ab. Eine Seltenheit, dass dort etwas draufgesprochen wurde. Der Wortlaut hieß: "Brüüüh, wir würden Sie gern zu unserer Geburtstagsfeier am nächsten Sonntag einladen." das war es noch nicht ganz, weiterhin folgte: "Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass ein Japaner ihren Job als Rad-Bundestrainer übernimmt. Viel Glück, weiterhin. Sportminister Jean Francois Hari." Ich war geschockt. Der Japaner, der dort genannt wurde, war wahrhaftig Hitoshi Hase, wie ich einige Tage später in der Fachpresse Haitis lesen konnte. Das erklärte auch sein Verschwinden, er hatte seine Chance gesehen und egoistisch gehandelt.
Auch die Anstellung in Haiti wurde mir also verwehrt, würde denn für 2006 kein Radsportteam auf meine freundliche Art angewiesen sein?
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HansFuchs
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Beitrag: # 342200Beitrag HansFuchs
10.4.2006 - 20:39

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Er bereiste die sieben größten Länder der Erde, er wanderte durch die sieben trockensten Wüsten, er kämpfte sich durch die sieben heißesten Gebiete des Amazonas, er besuchte Stierkämpfe in Spanien und er war Werbeträger für die staatliche Lotterie in Frankreich. Alles dies beschreibt einen Mann, der es – schlicht gesagt - geschafft hat, er ist ein echter Teufelskerl, ein Matador, ein Held, ein Domestik, ja, wahrlich ein Frauenschwarm. Worte, bei denen es mir warm um mein Herz wird, denn sie gelten einem Menschen, der nicht nur aufgrund seiner sportlichen Höchstleistungen Schlagzeilen schreiben ließ - er war auch ein ganz großer Wissenschaftler. Kein gewöhnlicher auf seinem Gebiet, nein, sein Wort war Gesetz in den Ohren der Jungen. Sie eiferten ihm nach, kopierten ihn hundertmal, doch sie konnten ihm die Zutaten für sein Erfolgsrezept nicht entlocken. Dies ist bis heute ein Geheimnis.
Weiterhin unbeantwortet bleibt auch die Frage nach seiner Kindheit. Bekannt ist, dass er in Maastricht im Jahr 1956 das Licht der Welt erblickte und dort erstmals mit vier Jahren urkundlich erwähnt wurde. Ob er jemals eine Schule besucht hat, wird aus den Akten nicht ersichtlich. So heißt es weiter, dass seine erste große Liebe im Alter von acht Jahren einer Stabheuschrecke galt.
Die Bühne der Weltöffentlichkeit betrat er Ende der 80er Jahre während eines Aprilsonntages in Flandern. Mehr darüber konnte man nicht erfahren. Die letzten Jahre verbrachte er abgeschottet von der Außenwelt in seinem Anwesen in Montreux am Genfer See.
Halbtags arbeitet er für das belgische Fernsehen und berichtet von zahlreichen kulturellen und sportlichen Großveranstaltungen zusammen mit seinem Busenfreund, einem Franzosen aus Bordeaux.
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HansFuchs
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Beitrag: # 342787Beitrag HansFuchs
12.4.2006 - 22:16

Vierter November, 4:21 Uhr, Frankfurt (Main):

Gestern Abend erhielt ich einen seltsamen Anruf eines Mannes mit tiefer Stimme. Er sagte, ich solle mich auf dem schnellsten Wege nach Frankfurt begeben, um dort weitere Instruktionen zu erhalten. Dieser Anweisung folgte ich, obwohl ich den Mann noch nie vorher gesehen oder mit ihm gesprochen hatte. Am Telefon meldete er sich nur als "Herr Gesangsverein", wobei ich den ersten Teil seines Namens nicht verstehen konnte, da die Leitung knackte. Ein nicht alltäglicher Name und so beschloss ich noch in derselben Nacht aufzubrechen und die Gelegenheit gleich zu nutzen, den neuen Peugeot 307 (Aufmerksamkeit aus Haiti) einzufahren. Die Straßen war frei, die Felder grau und braun und der Himmel schwarz und wolkenverhangen. Meine Müdigkeit verdrängte ich mit dem Nachtprogrammen der regionalen Radiosender, welche zwar ermüdend waren, aber den Reiz hatten, gerade nicht einzuschlafen. Eine waghalsige Angelegenheit, die ich dennoch meisterte. Nach knapp vier Stunden erreichte ich mein Ziel. Etwas abgelegen lag der vereinbarte Treffpunkt. Ein Schnellrestaurant bot mir Wärme und Schutz, ich sah den Mann, der vor guten acht Stunden am Telefon mit mir sprach. Er hatte sich durch eine abwertende Handbewegung gegenüber dem Personal des Schnellrestaurants erkenntlich gemacht und winkte mich zu sich herüber. Ich nickte und trank meinen bereits kalten Kaffee.
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HansFuchs
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Beitrag: # 343087Beitrag HansFuchs
13.4.2006 - 20:51

Ich stand also auf, streckte mich kurz, rieb mir übermüdet meine Augen und lief langsamen Schrittes in Richtung des unbekannten Telefongesprächs. Was hatte er vor? Etwa drei Meter trennten uns beide. Sein Blick war steril, ich konnte nichts daraus lesen. Auf der Mitte des Weges hielt ich und schaute dem Mann ins Gesicht. Er war blass, oberhalb der rechten Augenbraue hatte er eine Narbe, seine Stirn war faltenverhangen, vergleichbar mit dem Himmel auf der Hinfahrt nach Frankfurt. Seine Augen waren klein, er hatte ebenso Mühe diese offen zu halten. Seine Frisur war elegant, gar nicht unordentlich, so wie ich es mir eigentlich anhand der Stimme ausgemalt hatte.
Ich setzte mich auf den freien Platz gegenüber dem Mann. Er gab mir höflich die Hand und beruhigte mich, da ich unzufrieden mit der Belüftung des Restaurants war. Ich hatte es mehrfach bei der Bedienung beanstandet, aber diese reagierte nicht darauf.
"Nun, weshalb haben Sie mich hierher beordert?" fragte ich meinen Gegenüber. "Eine Aufmerksamkeit des Hauses." Er reichte mir folgende Karte:

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Ich warf einen Blick darauf und lächelte. "Entweder haben Sie kein Geld oder Sie sind zu faul." stellte ich, ob der Einkaufsliste fest. Sein Gesicht nahm eine rote Farbe an, die nicht natürlich war. "Sie haben recht, dies ist dies ist meine Information für Sie." Er kramte in seiner Hosentasche und fand nach einiger Zeit folgende Notiz:

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"Großartig. Woher wussten Sie, dass ich ein großer Fan dieser Musik bin?" fragte ich ihn verwundert und zugleich höchst erfreut über diese Überraschung. "Wir haben da so einen Spürsinn. Wissen Sie, aber um ehrlich zu sein, müssen Sie sich bei Herrn Koc bedanken." Ohne kurz zu überlegen, wurde mir sofort klar, wer für das alles gesorgt hatte. "Johan Koc Junior?" fragte ich ihn. "Ja, Herr Koc ist Betreiber dieses Cafés und würde Sie gern am Freitag begrüßen wollen." "Was macht er denn sonst, so?" Koc war ein alter Freund aus meinen Kinder- und Jugendtagen und galt als größtes Talent im Zehnkampf Mitte der 80er Jahre. Ein schwerer Unfall, der ihm sein rechtes Bein kostete, verbaute Johan eine sportliche Karriere. Zusammen mit ihm und seinem Vater, der als Rad-Mechaniker arbeitete, verbrachte ich viel Zeit bei Radrennen. "Ihm geht es gut." so lautete die Antwort des Mannes. Er verließ ohne sich zu verabschieden das Restaurant und ließ kurz vor dem Verlassen ein lautes "Juchhe! Juchhe! Juchheisa! Heisa! He!" verlauten. Mich überraschte dies nicht, denn bei fünf Kaffees, die er während unseres Gespräches zu sich nahm, musste dieser Koffeinschub irgendwann zu Tage treten.
Zuletzt geändert von HansFuchs am 15.4.2006 - 11:44, insgesamt 1-mal geändert.
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HansFuchs
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Beitrag: # 343386Beitrag HansFuchs
14.4.2006 - 20:49

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Rad - BerGer

Fünfundzwanzig Rennräder, das sagt eine Bestellung aus Frankfurt.
Vierundsiebzig Räder aus Pommern.
Elf aus der Pfalz,
Drei von der Spedition St. Geiger.

"Wir melden Rekordumsätze, Herr Plasil." "Hervorragend. Gute Arbeit." "Wir liefern noch heute aus nach Frankfurt und nach Pommern." "Gut, aber machen Sie dann Feierabend."

"Die Telefone laufen heiß." "Melden Sie: BerGer Räder sind die besten." "Wird erledigt, Chef." "Ich verlasse mich auf Sie."
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HansFuchs
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Beitrag: # 343518Beitrag HansFuchs
15.4.2006 - 11:43

Siebter November, 18:47 Uhr, Frankfurt:

Das Namensschild blinkte gleichsam im Takt der Musik, die aus dem Café zu hören war. An der Tageskarte wurde Entenbrustfiletstreifen auf ungarischem Kopfsalat angepriesen. Von außen sah das Café recht einladend aus, eine breite, fachwerkartig verarbeitete Fassade mit großen Fenstern und Läden an den Seiten. Der Eingangsbereich war großzügig gestaltet, eine Blumenfassade schmückte den sonst freien Platz links und rechts des Eingangs. In bunten Lettern war der Schriftzug „Café Bartels“ angebracht worden, es hatte den Anschein, dass dies nicht zufällig geschah.
Ich betrat das Café, der Mantel wurde mir abgenommen und ein freundlicher Angestellter begleitete mich zu Johan Koc. Augenscheinlich hatte dieser sich nicht großartig verändert. Der große rote Kopf, der gar nicht zu den Proportionen seines Körpers passte, war sein Markenzeichen. Er mochte das Kartenspielen und er beherrschte es auch. In seiner Jugendzeit nannte man ihn nicht zu Unrecht „Schinderjohan“, denn der Zustand seiner Karten war mehr als erbärmlich. Wenn wir dann mit unseren Blättern spielen wollten, negierte er dieses Angebot energisch. „Kartentausch ist wie Seelentausch.“ hatte er immer gesagt.
Doch er war auch ein fähiger Geschäftsmann, denn nachdem er mit 22 Jahren sein rechtes Bein verlor, gab es notgedrungen seine sportliche Karriere als Zehnkämpfer auf und gründete 1995 eine Firma, die marode Immobilien sanierte und gewinnbringend wiederverkaufte. Sein Interesse erlangte er durch seinen Vater, der als Rad-Mechaniker arbeitete und von Johan oft begleitet wurde.
„Hallo, Hans, was ein toller Augenblick, die wieder zu sehen. Wie lang muss es her sein? 5 Jahre, 10 Jahre?“ Er hatte sich auch innerlich nicht verändert. Seine sentimentale Art gefiel den Leuten hier. „Guten Tag, Johan. Du hast dich ja kaum verändert.“ Sein Gesicht änderte plötzlich Form, Farbe und floss ins ungewisse. „Meine Haarfarbe ist neu.“ „Das ist alles, was du zu sagen hast?“ fragte ich erstaunt. „Wo ist der alte Johan hin? Der, der drei Uhr in der Früh aufgestanden ist, um die Hühnereier vom Nachbarn zu klauen? Wo ist er?“ Er nickte zustimmend. „Ja, Johan Koc, der Draufgänger, der Partyprinz, der Hühnerdieb. Den Johan Koc meinst du? Er ist hier.“ Er setzte sich auf einen Stuhl und nahm einen Schluck aus seinem Wasserglas. „Was hast du vor?“ fragte ich Johan.
Er stand auf und suchte nach seinem Schlüssel in der Hosentasche. „Komm mit, hier runter in den Keller.“ Ich trank mein Glas schnell aus und folgte dann Johan hinab in die Finsternis.
Er knipste das Licht an und plötzlich wurde funkelten 25 nagelneue Rennräder mir entgegen. „Lass uns etwas daraus machen, Hans.“ Seine Stimme klang euphorisch und er erklärte mir nun seinen Plan. „Dir gehören doch 60% Prozent von Lampre. Verkauf die Anteile und investiere das gewonnene Geld in ein neues Projekt.“ „Aber, dem Simoni vorzuschreiben, was er zu tun hat und was nicht, das gefällt mir. Darüber muss ich eine Nacht schlafen. Habt ihr hier auch Zimmer?“ „Ich mache das schon. Amüsier dich erst mal.“ Das tat ich.
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HansFuchs
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Beitrag: # 343611Beitrag HansFuchs
15.4.2006 - 19:01

Olaf: Einer geht noch, Herr Ober.
Ulle: Aber nur noch einer, du musst noch fahren, Lude.
Olaf: Ich laufe. Das würde deiner Wampe auch mal gut tun.
Ulle: Welcher Wampe?
Olaf: Hier, diese.
Ulle: Ach, das meinst du. Das ist nur ein Kissen.
Olaf: Gut. Sonst hättest du dir das Fett absaugen lassen müssen.
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Beitrag: # 343615Beitrag HansFuchs
15.4.2006 - 19:26

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Wesch mit denen!
Charles Ton

Jedes Jahr das gleiche Spiel. Lombardei und dann Ruhe. Die Ruhe vor dem Sturm, dem Ansturm der Gerüchte, dem Wirbel der Spekulationen im schier endlosen Blätterwald. Es wird geschrieben und abgeschrieben und am Ende ist alles wieder falsch und das Szenario beginnt von neuem.
So geschehen in der letzten Woche: Crédit Agricoles Teamchef Roger Legeay Rücktritt vom Rücktritt. Am 31. November bestätigte er noch zu tiefst bedauernd, dass sein Sponsor, die französische Bank C.A. für 2006 aus dem Geschäft aussteigt und nun gut 25 Fahrer ohne Arbeitsplatz da stehen. Einige Tage später der triumphale Auftritt von Legeay der als Retter vor die Presse trat und sich als großartiger Vermittler in den Verhandlungen feiern ließ. Crédit Agricole wird also auch 2006 dabei sein.
Dann ist da noch die Geschichte mit dem Quark. Milram wird für 2006 gehandelt und soll das scheidende Fassa Bortollo Team beerben. Mit Petacchi und Genossen. Die anderen erreichen das Klassenziel und ändern bestenfalls ihr Trikot.
Das Karussell bleibt bis auf weiteres außer Betrieb. Epochales wird 2006 wohl nicht geschehen.
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Beitrag: # 343654Beitrag HansFuchs
15.4.2006 - 20:55

Fünfter November, 11:25 Uhr, Frankfurt:

„Gut geschlafen?“ fragte mich Johan. „Die Betten sind etwas hart.“ Das Buffet in Johans Café war reich an Köstlichkeiten. Aus allen Herren Länder hatte er Nahrhaftes importieren lassen und es hier zum samstäglichen Mittagessen aufgetischt. Er setzte sich zu mir. „Hast du deine Entscheidung getroffen?“, fragte er mich. „Nein, die Nacht war zu kurz, um darüber nachzudenken. Aber ich habe ein gutes Gefühl. Hast du denn schon einen Geldgeber?“ „Nein, aber ich stehe in Verhandlungen mit zwei Firmen aus Deutschland.“, das ließ mich hoffen, denn eigentlich war Johans Plan auf einem unsicheren Fundament entstanden. Er selbst schwamm nicht gerade in Geld, auch wenn er mit dem Café guten Umsatz machte. „Du glaubst, du hast genügend Bares, um ein Radsportteam zu finanzieren?“ „Nein, aber ich werde es bald haben.“, Johan zwinkerte mit seinem linken Auge. Das hatte aber nichts zu sagen, denn er tat es andauernd. „Ruf mich an, wenn du etwas unterschrieben hast.“, das klang recht schroff und ich wollte mich auch für den Ton entschuldigen, aber Johan schien verstanden zu haben, was ich damit sagen wollte. „Viel Glück bei den Verhandlungen, aber große Hoffnungen mache ich mir mit dem Projekt nicht, wenn ich dafür halb Lampre verkaufen muss.“, damit verabschiedete ich mich und verließ sein Café. Für mich war es Gewissheit, dass Johans Plan nur schwer zu realisieren ist. Anfang November, wo die meisten Teams und die UCI ihre Planungen für 2006 längst abgeschlossen haben, da scheint es mir fast unmöglich noch einen Platz im Profigeschäft zu ergattern. „Wo gibt es hier den nächsten Imbiss?“, fragte ich einen älteren Mann. „Vier Meter geradeaus und dann rechts.“ „Vielen Dank.“
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Beitrag: # 343813Beitrag HansFuchs
16.4.2006 - 18:06

Hans: Guten Tag, ich würde gern ein Radsport Team stellen.
Uciler: Wohin?
Hans: Auf den Asphalt.
Uciler: Wann?
Hans: Sobald als möglich.
Uciler: Name des Teams?
Hans: Unklar. Wir arbeiten daran.
Uciler: Anzahl der Lizenzfahrer?
Hans: Überschreitet die Zahl 30 nicht.
Uciler: Privat- oder Firmenteam?
Hans: Wir bevorzugen die zweite Variante.
Uciler: Haben Sie die Absicht exotische Südfrüchte zu importieren?
Hans: Ja.
Uciler: Dann setze ich Sie auf die Warteliste. Wie ist ihr Name?
Hans: Fuchs.
Uciler: Wir schicken Ihnen ein Anmeldeformular.
Hans: Faxen Sie es durch, bitte.
Uciler: Morgen, versprochen!
Frag Hanni!

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Beitrag: # 343844Beitrag HansFuchs
16.4.2006 - 19:22

Achter November, 18:42 Uhr, Schwarzwald:

Hans: Guten Tag, Evian, da?
Evianler Ja.
Hans: Wir planen eine feindliche Übernahme ihrer Firma.
Evianler: Oh, Nein.
Hans: Doch, doch. Es sei denn...
Evianler: Was? Sei es denn?
Hans: Sie verpflichten sich für zwei Jahre ein Radsportteam zu sponsern.
Evianler: Geld spielt keine Rolle. Wir machen das.
Hans: Sehr gut, wir faxen Ihnen die Papiere zu.
Evianler: Vielen Dank.

So leicht war es die Franzosen zu überreden. Die Evian-Knie schlotterten vor Angst. Das gleiche Spiel funktionierte auch bei Suisse-Lotto und Toblerone, diesem Schokoladenzeug. Nebenbei riefen mich heute Nachmittag Danone und Tissot an, ob Sie nicht unsere Mannen unterstützen könnten. Erst lehnte ich ab, als sie mich nach dem zehnten Anruf irgendwann nervten, willigte ich ein und unterzeichnete mit Ihnen einen Vertrag über neun Jahre. Daneben bin ich noch in Verhandlungen mit Giro, Nike, bmc, Dell und La Poste. Das sollte bis morgen Mittag erledigt sein. Eigentlich war es recht einfach so ein Team aufzustellen, du rufst bei der UCI an, gibst denen die Daten durch, die bearbeiten deinen Antrag. Dann trittst du in ein, zwei Talkshows auf und redest von Arbeitsplatzbeschaffung und schon kommen die Leute angerannt. Die Firmen waren auch sehr spendabel. Kinderleicht so ein Projekt. Kann ich nur empfehlen. Wenn ich das mit Abstand betrachte, haben wir ja recht viele schweizer Sponsoren, wir fahren aber mit einer deutschen Lizenz, auch deshalb, weil unser Sitz wohl im Harz sein wird. Drei schweizer Fahrer müssen wir dann wohl mit im Team haben, damit die Sponsoren keinen Verdacht schöpfen.

Jetzt werde ich Eugen Haagen anrufen und Ihn fragen, ob er nicht Lust hat, als Berater mit zu agieren. Dem wird aber gar nichts anderes übrig bleiben, wenn er nicht in seiner Blockhütte da oben in Norwegen erfrieren will. Viele freie Fahrer werden nicht mehr auf dem Markt sein, vielleicht noch ein, zwei Ausgebootete und Dopingsünder und alte Haudegen. Mich in diese Vertragsverhandlungen zu verstricken und die Extrawürste- und steaks der Fahrer zu akzeptieren, lehne ich strickt ab. Damit soll sich Johan Koc mal rumärgern, dessen Projekt fällt ja nun sowieso in sich zusammen.

Nach all dem Stress fahre ich jetzt für eine Woche in den Urlaub, um endlich mal wieder entspannen zu können, denn für 2006 werde ich mit den Jungs genügend Ärger haben. Ich hoffe, dass Haagen mich auf dem Laufenden hält. Obwohl, wenn er mich im Unklaren lässt, kann ich bei Misserfolgen später die Schuld auf ihn schieben.
Frag Hanni!

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HansFuchs
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Beitrag: # 344144Beitrag HansFuchs
17.4.2006 - 20:19

Elfter November, 11:10 Uhr, Perpignan:

"Ich habe mich vom aktiven Radsport zurückgezogen." so antwortete Eugen Haagen nach meinem Angebot für einen Posten als sportlicher Leiter des neuen Teams. Das ist sehr enttäuschend. Ich hatte große Hoffnungen in den Norweger gesteckt, der ein horrendes Fachwissen besitzt. Die letzten drei Tage habe ich hier in Perpignan am Mittelmeer verbracht. Die Leute, die ich bisher getroffen habe, sei es in Restaurants oder auf der Straße, sind sehr traurig. Niemand redet mit dem anderen. Alle gehen schweigend aneinander vorbei. Das überraschte mich, denn diese Gegend im Süden Frankreichs hatte ich ganz anders in Erinnerung. Fröhliche Franzosen frönten ihren Leidenschaften nach. Vor vier Jahren war das hier noch anders. Gemütlicher und familiärer. Große Betonbauten fand man damals noch nicht. Jetzt sind Sie in der Standardausstattung der Stadt inbegriffen. Die Entspannung, die ich hier gesucht habe, finde ich derzeit nicht. Der Ärger mit Haagen, Kocs Egoismus und das neuerliche Alkoholintermezzo von Olaf L sind dafür mitverantwortlich. Dazu aber ein anderes Mal. Was mir noch zu sagen bleibt, ist auf Wiedersehen.
Frag Hanni!

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